Die frühe Pyrotechnik

Unfallursachen

Allgemeine Informationen zum Unglück von Enschede.

Am 13ten Mai 2000 explodierte in der holländischen Kleinstadt Enschede das Lager der Firma S.E. Fireworks in drei Etappen. Die Detonationen waren noch in 35km Entfernung zu hören, die Rauchwolke stieg Kilometer weit in die Höhe und war noch aus Deutschland sichtbar. Es ist nicht leicht verständlich, warum eine Menge von vielen Tonnen Feuerwerkskörper mitten in einer Stadt lagern konnten. Man muss deshalb wissen, daß das Holländische Rechtsystem sehr viel liberaler als das Deusche ist: In manchen Belangen wird von der Durchsetzung vorhandener Normen abgewichen. So hatte man auch bei der Firma S.E. Fireworks Ausnahmen gemacht und schwerwiegende Missstände toleriert, damit für das Jahr 1999/2000 die notwendige Versorgung mit Feuerwerkskörpern sicherzustellen. Es sei hier ausdrücklich betont, daß diese Firma keineswegs unbedarft im Umgang mit Feuerwerkswaren war. Sie importierte Feuerwerk für professionellen Einsatz wie Chinesische Kgelbomben und römische Lichter sowie Cake-boxen von excellenter Qualität. Mit der verfügbaren Ware wurde die Jahreswende 1999/2000 in Holland maßgeblich positiv beeinflußt, da auch die Ware für den freien Verkauf an jedermann von extremer Effizienz waren. Allerdings beinhaltet diese Effizienz auch die gesteigerte Gefährlichkeit dieser Ware, die in Deutschland beispielsweise nicht frei verkäuflich sind.
Dies erklärt die Anhäufung dieser Ware an dem falschen Ort, allerdings nicht den quasidetonativen Umsatz der pyrotechnischen Gegenstände. Zwei Gründe hierfür:

1. Die baulichen Einrichtungen entstsprachen nicht den Anforderungen - die Zündung sprang praktisch frei zwischen den einzelnen Lagereinrichtungen. Die Tore der "Bunker" beispielsweise waren dünne Holzverschläge ohne jegliche Widerstandskraft, außerdem schlossen sie nicht dicht (Photo). Die Container hatten keine Feuerlöscheinrichungen und Blitzschutz, außerdem standen sie ohne Schutz in der Sonne. Grade letzteres ist an sonnigen Tagen gefährlich, da über 50°C die thermische Stabiltät der Pyrotechnika stark abnimmt. Um dies klarer zu machen, ein Beispiel der "Thermalen ExplosionsTheorie" TET: Ein würfelförmiger Körper aus Holzkohlegries (1-1,6mm Korngröße) mit den Abmessungen von 3cm*3cm*3cm zündet bei 150°C, ein Würfel mit 6cm Kantenlänge bei 130°C und bei 10cm Kantenlänge bei 118°C. Bei einer Kantenlänge von 10m zündet dieser Kohlengries bereits bei 27°C. Ähnlich verhält sich dies auch für Feuerwerksörper.

2. Die gelagerten Waren sind nicht nach dem "Deutschen Reinheitsgebot" für Feuerwerk getestet worden. Dieses verbietet die Mischungen von Chloraten mit Metallen und Sc

hwefel, eine Mischung, die aus holländischen "Knallketten" bekannt ist. Diese Mischungen können detonieren wie TNT, Nitroglycerin oder andere Brisanzsprengstoffe. Detonieren diese Gegenstände, so zerstören sie in Millisekunden alle anderen umgebenden Pyrotechnika. Diese brennen dann nicht in Seknden, sondern in Millisekunden ab, entwickeln also das vieltausendfache ihrer normalen Leistung. Dies führt dann dazu, daß innerhalb von Sekundenbruchteilen riesige Bestände explodieren, die im Normalfall über längere Zeit relativ gefahrlos abgebrannt wären.

Bild 1 zeigt die Lage von Enschede selbst. Unschwer erkennbar ist die Nähe zur Deutschen Grenze.

Bild 2-6 zeigen schematisch den Unfallhergang mit den drei schweren Explosionen der einzelnen Lagerteile

Bilder 7 und 8 zeigen den offiziellen Lagerplan der Firma S.E.

Bild 9 zeigt eine Luftansicht

Bild 10 ist schließlich eine Nahansicht des Firmenbereichs, die Container und die Garagen sind weiß markiert.

Bild 11 zeigt die Lagergaragen in Nahansicht: Die verwendeten Holztore sind keineswegs gasdicht oder druckfest. Das linke Tor hat beispielsweise einen klar erkennbaren Spalt zwischen Boden und Tor. Massive Stahltore hätten hier besseren Widerstand geleistet, so dass die Explosionen nicht in dem Ausmaß in eine geschlossene Detonation übergegangen wäre. Auf jeden Fall hätte mehr Zeit zur Brandbekämpfung oder Evakuierung zur Verfügung gestanden.

Bild 1

Bild 2-6

Bilder 7 und 8

Bild 9

Bild 10

Bild 11